Zahnlos im Alter

Muss das sein ?
Die Schneidezähne werden häufig zuerst verloren
Nach dem Zahnwechsel hat jeder Hund ein blen- dend weißes starkes Gebiss. Allerdings verliert der überwiegende Teil aller Klein- und Zwerg- hunde im Laufe seines Lebens nach einer langen Folge von chronischen Zahnfleischentzündungen eine mehr oder minder große Anzahl seiner Zähne. Demgegenüber sind großwüchsige Hunderassen in aller Regel bis ins hohe Alter vollzahnig und zahn- fleischgesund.

Woran liegt das ?
Alle Hunde stammen von Wölfen ab. Wölfe haben der Kiefergröße entsprechende perfekt aufeinander abgestimmte und weit auseinander stehende Raubtierzähne.
Futterreste als Basis für Bakterienwachstum können zwischen den Zähnen nicht gut hängen bleiben.

Wölfe verschlingen zumeist kleine Beutetiere ohne sie zu kauen und erbeuten größeres Wild, dessen Überreste nach der Mahlzeit zwischen den Zähnen hängen bleiben könnten, eher unregelmäßig. Sie sind Lauftiere mit einem sehr großen Bewegungsdrang. Beim schnellen Laufen wird durch Zunge und Lefze eine ständige Reibe- /Waschbewegung auf die Zähne ausgeübt. Auf diese Weise werden evtl. doch noch vorhandene Futterreste oder beginnender Plaque von den Zähnen entfernt.

großwüchsiger Mischling: normales GebissDie Schädel großwüchsiger Hunderassen wie etwa Schäfer- oder Jagdhund- rassen entsprechen in ihrer Form weitestgehend noch der ursprünglichen Wolfs- form mit den Vorteilen der ursprünglichen Gebissform und der Möglichkeit zur Selbstreinigung. Auch ent- spricht der Lebensstil groß- wüchsiger Rassen noch eher dem der Wildform. Die Lefzen und die Zunge verrichten beim Laufen ihre Arbeit an den Zähnen. Die Hundehalter größerer Hun- de füttern meist 1-2x /Tag, so dass zwischen den Mahlzeiten Zeit zur Selbst- reinigung bleibt. 


Ganz anders ist die Situation bei kleinwüchsigen und möglichst noch stumpfnasigen Rassen.
Schädel- und Zahnform sind gegenüber dem Wolf nicht 1:1 verkleinert.
Yorki: relativ zu große Zähne in einem relativ zu kleinen KieferWährend die Kiefer schma- ler und kürzer als bei einer 1:1-Verkleinerung sind, gilt für die Zähne das Gegen- teil, sie sind zumeist größer als bei einer 1:1-Verklei- nerung. Hierdurch stehen relativ zu große Zähne in einem relativ zu kleinen Kiefer. Die Zähne stehen deutlich enger, zum Teil verschieben sie sich thea- terkulissenartig gegen- einander oder sie drehen sich um ihre Längsachse, um noch irgendwie in die Zahnreihe zu passen.
Folglich können bei jeder Nahrungsaufnahme Futter- reste in den Nischen zwischen den eng anein- ander stehenden Zähnen hängen bleiben. Die Be- sitzer kleiner Hunde- und Zwergrassen füttern ihre Lieblinge außerdem sehr oft vielfach am Tag mit extra zubereiteten kleinen Leckerbissen, was durch die Futtermittelindustrie auch noch gefördert wird, die den Zwerghund als besonderen Feinschmecker umwirbt.

Häufig sind die Bewegungsmöglichkeiten der kleinen Rassen auch deutlich geringer. Die täglichen Aktivitäten sind zeitlich meist kürzer und/oder in der Intensität geringer ausgeprägt. Eine nur 1-2-malige Nahrungsaufnahme pro Tag und eine regelmäßige und ausdauernde wilde Jagd mit wehender Zunge und wehenden Lefzen (Zähneputzen durch Mutter Natur) stellen eher die Ausnahme dar. Die Hunde gewöhnen sich sehr schnell an den kleineren Aktionsradius und sind mit Ihrem Leben zwischen Sofa, dem kurzen Ballspiel im Wohnzimmer und dem Gang zum Kaufmann an der Leine durchaus zufrieden. Nur Futterreste und Plaque werden so eben nicht entfernt.

Was kann man tun ?
Als Besitzer eines kleinwüchsigen Hundes sollten Sie Ihr Tier unbedingt nach dem Zahnwechsel, also im Alter von 6-7 Monaten, Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt zur Gebisskontrolle vorstellen.
Schwere Zahnfehlstellungen müssen erkannt werden und sollten kieferorthopädisch oder zahnmedizinisch versorgt werden.
Unabhängig davon haben die Forschungslabors der Industrie inzwischen viele Präparate entwickelt, um auch die Zähne Ihres Hundes länger gesund zu erhalten.

  • Es gibt speziell entwickelte (und auch noch wohlschmeckende) Kaustreifen oder Trockenfutter, die durch die Form ihrer Bruch-/Bisskanten den Plaqueabrieb verbessern.
  • Es wurden Zahnbürsten und Zahnpasten für Hunde entwickelt. Die Zahnbürsten passen auf den Finger des Besitzers und werden nach jeder Mahlzeit zur Reinigung der Zähne und Zahnzwischenräume benutzt. Die Hunde tolerieren das gut, wenn sie frühzeitig daran gewöhnt werden. Die Zahnpasten haben Hühnchen- oder Rindgeschmack und entfernen  über enthaltene Schleifkörper beginnende Plaques.
  • In den meisten Fällen wird Ihre Tierärztin / Ihr Tierarzt bei Ihrem Hund zumindest 1 x jährlich eine Zahnsteinentfernung und eine gründliche Reinigung der Zahntaschen durchführen.
    Nur so lässt sich eine chronische Entzündung des Zahnbettes verhindern oder zumindest aufhalten. Der Zahnhalteapparat bleibt hierdurch länger intakt und kann seine Aufgabe länger erfüllen. Auch wenn hierzu jedes Mal eine Narkose nötig ist, überwiegt doch der Nutzen dieser Aktion das Risiko, denn Zähne fallen nicht einfach so aus. Voraus geht eine jahrelange chronische, schmerz- hafte und oft eitrige / stinkende Entzündung des Zahnbettes. Diese wird verursacht durch gefährliche Bakterien, die sich in den Zahnzwischenräumen und in den Zahntaschen zwischen Plaque und Futterresten wohl fühlen. Diese Bakterien können auch andere Krankheiten im Hundekörper verursachen (z.B. Herzkrankheiten) oder über die stark bakterienhaltige abgegebene Atemluft des Hundes Kinder oder chronisch kranke Menschen gefährden.

Zahnsteinbildung und Zahnfleischentzündungen müssen regelmäßig entfernt und behandelt werden!Auch wenn Sie an der Zahn- und Kieferform Ihres Hundes nichts ändern können, so können Sie aber in Zusammenarbeit mit Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt dazu beitragen, Zähne und Zahnfleisch Ihres Tieres gesund zu erhalten und so Zahn- verlust und schlimmeren Krankheiten vorbeugen.

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Tierarztkosten transparent gemacht: Zahnsteinentfernung

überarbeitet: 05.05.2009

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