Welpenerziehung leicht gemacht

Murphy ist zufrieden. Endlich hat er alle Aufmerksamkeit der Menschen um ihn herum für sich allein. Zwar vermisst er auch die Spielkameraden, aber es gibt so viel neues zu erkunden. Er hoppelt übers Parkett, schnüffelt hier und da an einer Ecke, einer Leiste, zupft an der Tischdecke. Immer sind seine Menschen da. Und sollten sie einmal kurz nicht auf ihn achten, braucht er nur die Nase in den Papierkorb zu stecken oder eine Teppichecke zu lüpfen, schon sind sie zur Stelle, reden liebevoll auf ihn ein und spielen wieder mit ihm.

Na, schauen sie schon? Jetzt aber! Auch Jule hat bald bemerkt, dass es in der neuen Welt viel zu entdecken gibt: leckeres, interessantes und spannendes. Aber auch seltsames, wie zum Beispiel ein schwarzes Tier, von den Menschen “Katze” genannt, das man nicht jagen darf, sosehr es einen auch reizt.

Manchmal gibt es Geschimpfe. Und zwar immer, wenn sie mitten im schönsten Spiel plötzlich ein dringendes Bedürfnis verspürt und diesem nachgibt. Irgendwie ist das hier anders als “Zuhause”. Aber wie soll man denn das auch machen? Wenn man draußen ist, muss man doch die Welt erkunden, da ist weder Zeit noch Ruhe für lästige körperliche Entleerungen – und wenn man drin ist, in vertrauter Umgebung, erschöpft vom Spielen, satt und entspannt, dann darf man nicht.

Die ersten Nächte in neuer Umgebung

Auch abends, wenn es ruhiger und dunkler wird, werden die neuen Menschen sonderbar: Sie spielen nicht mehr, ziehen sich in ihre gemütlichen Nester zurück – aber statt sich wie Ine und die Welpen-Geschwister gemütlich an einen zu kuscheln, wollen sie lieber alleine sein und überlassen einen der kalten Nacht. Murphy hat wenigstens noch seinen Elch. Es erklingt noch eine Weile leises klagendes Gewimmer vom Schlafplatz der Welpen, bevor von den träumenden Rackern nur noch sanfte Sauggeräusche zu hören und das Zucken der kleinen Beine zu sehen ist.

Das neue Zuhause

Wenn Sie mit Ihrem neu erworbenen Familienmitglied in seinem neuen Zuhause angekommen sind, lassen Sie ihn erst einmal in Ruhe die ungewohnte Umgebung erkunden. Je nach Charakter und Erfahrung wird er mehr oder weniger mutig die neue Welt in Besitz nehmen. Stören Sie ihn dabei möglichst wenig, aber loben und streicheln Sie ihn, wenn er Kontakt zu Ihnen aufnimmt. Wenn Sie zugleich mit einem Lob ein klitzekleines Leckerchen anbieten, wird der Welpe schnell verstehen, dass Sie es gut mit ihm meinen und begreifen, was Lob bedeutet.

Die Trennung von Mutter und Geschwistern ist einschneidendes Erlebnis im Leben eines Hundewelpen. Allein wäre er in der Natur verloren. Sie sollten es deshalb so einrichten, dass ihr Neuzugang in den nächsten Tagen nicht allein zu Hause bleiben muss. Natürlich muss er später auch das lernen, doch um ihm die Eingewöhnung nach dem Trennungsschock von seinem bisherigen Rudel zu erleichtern, wählen Sie dafür besser einen späteren Zeitraum.

Das richtige Futter

Für die ersten Tage sollten Sie sich vom Besitzer des Muttertieres das bisherige Futter der Welpen nennen oder mitgeben lassen. Stellen Sie erst nach und nach auf das von Ihnen bevorzugte Welpenfutter um. Holen Sie am besten bei Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt Empfehlungen ein. Neben Futter und frischem Wasser für Ihren Welpen gibt es für Sie in den nächsten Stunden und Tagen sicherlich das folgende wichtige Thema.

Stubenreinheit: Was ist zu tun?

Welpen haben fast immer nach dem Schlafen, nach dem Fressen, nach dem Spielen oder in Spielpausen das Bedürfnis, Urin oder Kot (oder beides) abzusetzen. Also “ständig”! Wenn Sie Ihren Welpen gut beobachten, werden Sie nach kurzer Zeit die Zeichen erkennen und wissen, wann Sie ihn hochnehmen und auf dem schnellsten Wege ins Freie befördern sollten. Versuchen Sie, den Welpen draußen in der Nähe einer Stelle abzusetzen, an der er sich schon zuvor einmal gelöst hat. Hunde bevorzugen für ihre Bedürfnisse den Untergrund, den sie als Saugwelpe dazu kennen gelernt haben.

Hat Ihr Welpe sich gelöst, loben Sie ihn ausgiebig und überschwänglich. Wenn Sie regelmäßig alle paar Stunden raus gehen und ihn auch in der Zwischenzeit sorgfältig beobachten und schnell reagieren, wird Ihr Welpe rasch lernen, um was es geht. Sollte in der Wohnung doch einmal ein “Malheur” passieren, dann waren Sie nicht aufmerksam und/oder schnell genug. Sie sollten auf keinen Fall mit dem Welpen schimpfen (oder ihn gar mit der Nase in die Bescherung stoßen) und damit seine Aufmerksamkeit auf dieses Missgeschick lenken. Der Welpe kann Ihren Ärger weder verstehen, noch zuordnen.

Übrigens: Hunde kennen kein “schlechtes Gewissen”! Sie lernen zwar schnell, dass sie mit entsprechenden Demutsgesten aufgebrachte Menschen beruhigen können, warum ihre Menschen zornig sind, verstehen sie deshalb trotzdem nicht.

Sollten Sie nach einiger Zeit den Eindruck haben, Ihr Welpe macht überhaupt keine Fortschritte, bzw. die Abstände zwischen den “Pfützchen” bleiben unverändert kurz, sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt noch einmal ganz ausführlich über dieses Problem. Sie / er wird Sie beraten und wenn er es für nötig hält, weitere Untersuchungen vornehmen.

Wer schläft wo?

Wie alle Säugetiere schlafen auch kleine Welpen natürlich am liebsten eng aneinander gekuschelt. Als die neuen “Rudelmitglieder” sind Sie als Besitzer für die jungen Hunde nicht nur Beschützer und “Dosenöffner”, sondern in erster Linie auch Sozialpartner. Es ist daher nur natürlich, dass die Welpen zum Schlafen Körperkontakt suchen, eben vor allem nachts mit ins Bett wollen. So leid Ihnen der von Mutter und Geschwistern getrennte Welpe in den ersten Tagen auch tun mag, niemals sollten Sie ihm erlauben, was Sie nicht auch später tolerieren wollen. Konsequente Erziehung beginnt am ersten Tag!

Hunde nicht im Bett schlafen zu lassen ist nicht nur aus hygienischer Sicht ratsam, sondern macht auch von Anfang an klar, dass Sie als “Rudelführer” eben bestimmte Privilegien haben, die zu akzeptieren sind. Stellen Sie Ihrem Liebling also seinen vorgesehenen Schlafplatz (Decke oder Korb) neben Ihr Bett, so dass er Sie sehen und hören kann. Loben Sie ihn, wenn er dort ruhig wird und liegen bleibt. Das Nachtlager neben dem Bett hat nicht nur den Vorteil, dass der Welpe sich meistens schnell damit zufrieden gibt, sondern auch, dass Sie gleich bemerken, wann der Welpe erwacht und aufsteht (was meistens eine Blasenentleerung nach sich zieht, also höchste Eile gebietet).

Wenn Sie nicht wünschen, dass der Hund im Schlafzimmer seinen Ruheplatz behält, dann können Sie in den nächsten Tagen (wenn der Hund sich eingewöhnt hat) damit beginnen die Decke oder den Korb nach und nach immer weiter vom Bett zu entfernen, bis der gewünschte Platz erreicht ist.

Wie geht es weiter?

Lesen Sie mehr im Kapitel Tierarztbesuch und Welpenspielstunde.

Jana Brinkmann-Werner
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