Artgerechte Chinchilla-Haltung
Die von uns als Heim- und Pelztiere gehaltenen Chin- chillas sind Nagetiere. Sie stammen aus Südamerika, wo sie in den felsigen Anden in Höhen bis zu 5000 m leben. Die Höhen der Anden zeichnen sich durch eine geringe Luft- feuchtigkeit und große Tag-Nacht-Temperatur- schwankungen aus.
Chinchillas sind dämme- rungs- und nachtaktive Tiere, die sich von Gräsern, Büschen, Wurzeln und wasserhaltigen Kakteen sowie deren Früchten ernähren. Sie nehmen als Flüssigkeit zusätzlich Tau- wasser von den Gräsern auf. Wegen ihres duftig- weichen Fells wurden die Tiere in ihren Ursprungs- gebieten so gut wie ausgerottet und der Mensch war gezwungen, sie in Pelztierfarmen nachzuzüchten. Unsere als Heimtiere gehaltenen Chinchillas stammen aus diesen Pelztierzuchten, woraus sich ihr noch recht “wildtierähnliches”, wenig domestiziertes Verhalten erklärt.
Chinchillas sind nicht zur Haltung durch Kinder geeignet!
Ihre Nachtaktivität verträgt sich nicht mit dem Lebensrhythmus eines Kin- des. Zudem sind sie behende Springer und lassen sich nur mit viel Ruhe und Geduld zähmen. Chinchillas sind außerdem sehr stress- empfindlich. Sie sind nicht mit anderen Heimtieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen zu vergesellschaften, da sie diese oft angreifen. Auch miteinander lebende Chinchillas können sich schwere Verletzungen zufügen. Um spätere Rivalitäten zu vermeiden, sollten gleich zwei Jungtiere miteinander aufgezogen werden.
Der Chinchillakäfig sollte eine größere Höhe als Fläche aufweisen (mög- lichst mindestens 100x50 x120 cm). Die Gitter müssen waagerecht aus- gerichtet oder besser maschendrahtartig qua- dratisch angeordnet sein, um den Tieren ein Abfedern beim Klettern und Springen zu erlauben. Der Käfig benötigt mehrere Sitz- bretter, ungiftige Kletter- zweige und ein geschütztes Schlafhäuschen.
Zur Fellpflege muss dem Chinchilla eine “Badewanne” mit einem Spezialsand zur Verfügung gestellt werden, in dem es sich sein Fell “pudern” kann. Als Einstreu kann handelsübliche Kleintierstreu verwendet werden.
Wasser muss immer zur freien Verfügung stehen, am besten über eine Trinkflasche. Außerdem sollte die Heuraufe immer mit einem duftenden Heu gefüllt sein, da in den Anden dürres, rohfaser- reiches Gras das Hauptfutter eines Chinchillas darstellt. Zusätzlich können ihm getrocknete Rosinen oder Hagebutten (in Maßen!), ein Stück Apfel oder Karotte sowie ab und an ein Stück getrocknetes Brot angeboten werden. Von dem im Handel erhältlichen Chinchillafutter reicht täglich eine Menge von etwa 1 Esslöffel je Chinchilla. Die Tiere verfetten in Gefangenschaft und bei falscher Ernährung (z.B. mit Meerschweinchen- oder Kaninchenfutter) sehr schnell und können dann aufgrund der Kreislaufbelastung oder des entstandenen Leberschadens versterben. Außerdem haben Chinchillas einen außerordentlich empfindlichen Magen-Darm-Trakt, der plötzliche Futterwechsel nicht verträgt. Die Darmflora sollte deshalb immer langsam auf einen neuen Leckerbissen eingestellt werden. Aus diesem Grund sollte auch immer das gleiche Trockenfutter angeboten werden. Bei Durchfall oder zu kleinen Kotkegeln müssen Sie das Tier unbedingt Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt vorstellen!
Wenn Sie Ihrem Chinchilla Freilauf bieten möchten, um seinem ausgeprägten Bewegungsdrang entgegenzukommen, achten Sie bitte auf eine “Nager”-sichere Umgebung bzw. beaufsichtigen Sie es immer während der Freilaufzeiten. Chinchillas nagen nicht nur Elektrokabel an, sie können auch aus Fenstern springen, in Wassereimern oder Toiletten ertrinken oder unbekömmliches Futter finden. Sorgen Sie dafür, dass keine für Tiere giftigen Pflanzen in Ihrer Wohnung stehen!!
Die Haltung von Chinchillas ist wesentlich schwieriger als die Haltung der gut domestizierten Meerschweinchen oder Kaninchen. Die artgerechte Unter- bringung der Nager erfordert recht viel Platz und Zeit. Allerdings üben die Tiere mit ihrer hüpfenden Fortbewegung, ihrem vorsichtigen Beschnuppern und possierlichen Fressen in den Händen gehaltener Leckerbissen einen ganz besonderen Reiz aus.
überarbeitet: 09.09.2009

